Neurofeedback

Beim Neurofeedback werden mithilfe von Elektroden die Gehirnwellen gemessen (Elektroenzephalogramm, EEG) und am Computerbildschirm aufgezeichnet und sichtbar gemacht. Die therapeutische Wirkung wird durch die Kombination von EEG und Neuro-Feedback-Software- Programmen (auditiv/visuell unterstützten Trainingsvideos mit Rückmeldung) erzielt, bei denen das Gehirn lernt, nachhaltig Gehirnwellen zu produzieren, die das Nervensystem und die Körperchemie wieder ins Gleichgewicht bringen.

Neurofeedback ist ein Fitness- Training für die Nervenzellen des Gehirns. Es trainiert verschiedene Gehirnfunktionen, wie z.B. Konzentration, Gedächtnis, Spitzenleistung, Kreativität, Entspannung etc.
Darüber hinaus kann Neurofeedback auf die individuellen Ziele und Bedürfnisse der PatientInnen oder KlientInnen angepasst werden. So verhilft es beispielsweise einem Sportler, einem Spitzenmanager oder Studierenden unter Leistungsdruck optimale Leistung zu entfalten und in Ruhepausen richtig zu entspannen.

Dank Neurofeedback werden den PatientInnen mit Konzentrations- oder Lernschwierigkeiten, Migräne oder Panikattacken ihre Gehirnaktivität, ihre Gedanken und Emotionen am Computerbildschirm sichtbar gemacht. Durch die mit dem Training einhergehende Stabilisierung des Nervensystems und der Reorganisation der Gehirnwellen, lernt das Gehirn, neue Gehirnprogramme zu entwickeln, die im Alltag bei Stresssituationen sowohl ein souveränes Verhalten mit höherer Belastbarkeit (Resilienz) als auch eine sofortige Zentrierung der Gehirnwellen (Flexibilität) ermöglichen.

Anwendungsgebiete des Neurofeedback

Neurofeedback ist als sanfte und wirksame Heil- und Aufbaumethode wissenschaftlich anerkannt und wird in der Schweiz seit über 10 Jahren, in USA seit über 20 Jahren mit grossem Erfolg eingesetzt.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass Neurofeedback bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit komplexen Beschwerden sowie bei alternden Menschen wirkt. Darüber hinaus kann es zur beruflichen oder physischen Kreativitäts- und Leistungssteigerung eingesetzt werden.

Neurofeedback hilft erwiesenermaßen bei einem weiten Spektrum von Krankheiten wie:

  • Aufmerksamkeitsstörung AD(H)S mit und ohne Hyperaktivität
  • Depressionen, Angst- und Panikstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Vergesslichkeit und Gedächtnisstörungen
  • Lernschwierigkeiten
  • Schlafstörungen, wie Einschlafschwierigkeiten und Durchschlafschwierigkeiten
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Chronischen Schmerzen, z.B. Fibromyalgie, Morbus Sudeck
  • Stress und Burnout-Symptomatik
  • Nervosität und Reizbarkeit (Irritablität)
  • Prämenstruellem Syndrom PMS
  • Essstörung/Sucht
  • Störungen aus dem autistischen Spektrum
  • Alzheimer und Demenzerkrankungen
  • Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS)
  • Schlaganfall (Rehabilitation)
  • Tinnitus

 

FAQ´s

 

In welchem Abstand sollten die Sitzungen erfolgen?

Beim Prozess des Neurofeedback handelt es sich um eine Form von operanter Konditionierung. Das heißt ein Reiz, der zu Beginn noch willkürlich auftritt, wird verstärkt, damit dieser wiederholt wird und nach häufigem Wiederhohlen auch ohne Verstärker gezeigt wird.
Zu Beginn ist es zweckmäßig kürzer nacheinander die Verstärker zu setzen und folglich in kürzeren Abständen eine Neurofeedback Sitzung abzuhalten. Sinnvoll ist es, mit zwei bis drei Sitzungen pro Woche anzufangen, und sie dann langsam auf einmal die Woche zu reduzieren. Minimum ist einmal die Woche beim Einhalten einer regelmäßigen Frequenz.
Hier gilt natürlich als oberstes Gebot, das Neurofeedback an die jeweilige Situation anzupassen, denn es gibt immer wieder Ausnahmen.

 

Mit wie vielen Sitzungen sollte man rechnen?

Wie bereits erwähnt handelt es sich beim Neurofeedback um einen Prozess, der mittels operanter Konditionierung erlernt wird. Das bedeutet auch, dass die Konditionierung ein Minimum an Zeit durchgeführt werden sollte, um den Prozess erlernen zu können.
Wir arbeiten in Blöcken von zwanzig Sitzungen, in denen wir eine Evaluierung machen, die zutreffenden Symptome notieren und bewerten, eine Testung durchführen und das eigentliche Training halten. Zum Ende dieser 20 Sitzungen werden die Symptome neu bewertet und die Testung wiederholt. An dieser Stelle wird mit dem Patienten neu entschieden, wie das Training weitergehen soll oder ob die Ziele soweit erreicht wurden, dass mit dem Training aufgehört werden kann.
Auch hier gilt natürlich als oberstes Gebot, das Neurofeedback an die jeweilige Situation anzupassen, denn es gibt immer wieder Ausnahmen.

 

Halten die Veränderungen vor?

Durch das operante konditionieren wird dem Gehirn eine „Verhaltensänderung“ beigebracht. Es lernt etwas Neues und kann es auch ohne Feedback nach einiger Zeit wiederhohlen.

 

Kann das Neurofeedback über eine ergotherapeutische Verordnung abgerechnet werden?

Ja. Wenn Sie von Ihrem Arzt eine Heilmittelverordnung erhalten, bei der sensomotorisch – perzeptive Behandlung (ca. 45 Min.), bzw. psychisch – funktionelle Behandlung (ca. 60 Min.) eingetragen ist.

 

Gibt es beim Neurofeedback Nebenwirkungen?

Neurofeedbacktraining kann, zu Beginn bei der Suche der optimalen Trainingsparameter, unerwünschte Wirkungen haben. Meistens ist dies eine Verstärkung der bestehenden Symptomatik. Solche Effekte sollten von kurzer Dauer sein, es sei denn falsches Training wird über längere Zeit fortgesetzt. Falsches Training kann Symptome verstärken anstatt zu lindern.

 

Wie ist die Studienlage bei Neurofeedback?

Der Bereich der Forschung in diesem Gebiet erweitert sich ständig. Laut dem Stand von 2017 gibt es um die 900 wissenschaftliche Fachartikel zum Thema Neurofeedback.
Einen Überblick über einen Teil der veröffentlichen Studien und Paper kann man bei EEG Info finden.

 

Informationen für Ärzte

Der DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten) hat im Januar 2010 und März 2011 Stellung zur Ausübung des Neurofeedbacks in der Ergotherapie genommen.
Die Stellungnahme ist eindeutig: Ergotherapeuten dürfen frei ihr Behandlungskonzept wählen und das Neurofeedback ist als solches anzusehen, da es wissenschaftliche fundiert ist. Für genauere Einsichten stellen wir Ihnen die Stellungnahmen gerne zur Verfügung.

Eine Stellungnahme der KVWL von Mai 2015 bestätigt die Aussagen des DVE und der GKV. Neurofeedback kann bei vorliegenden Indikationen im Rahmen einer ergotherapeutischen Behandlung erfolgen.

 

Information und Ergänzung zu Neurofeedback vom 29 April 2016:

Aufgrund anhaltender Fehlinformationen hat auf Nachfrage des BED e.V. nun die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg ebenfalls folgende Aussage getroffen:

„… Die KV Baden Württemberg beantwortet Anfragen zur Verordnungsfähigkeit von Neurofeedback entsprechend den Aussagen des GKV-Spitzenverbands. Möglicherweise kam es hier in der Vergangenheit zu Missverständnissen.

Allerdings besteht nach Aussage des GKV Spitzenverbands die Möglichkeit Neurofeedback, bei entsprechender Indikation, im Rahmen der zur Verfügung stehenden ergotherapeutischen Heilmittel (sensomotorisch – perzeptive Behandlung, Hirnleistungstraining / neuropsychologisch- orientierende Behandlung bzw. psychisch – funktionelle Behandlung) einzusetzen, wenn absehbar ist, dass damit das Behandlungsziel erreicht werden kann.

Auf die Verordnung sind die in der Heilmittel-Richtlinie aufgeführten ergotherapeutischen Heilmittel anzugeben. Die zusätzliche Aufführung der Technik Neurofeedback auf der Verordnung ist möglich. …“

Quelle: „BED-ev

 

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Neurofeedback Behandlung über eine ärztliche Heilmittelverordnung für Ergotherapie.
Einige private Krankenversicherungen tun dies auch, jedoch ist es sinnvoll, vor Beginn einer Neurofeedback-Behandlung mit der jeweiligen Versicherungsgesellschaft abzuklären, ob sie wirklich die Kosten für Ergotherapie übernehmen.